Vortrag von Astronaut C.Nicollier am 6.05.2005 in Schaffhausen

 

Samstag 7. Mai 2005,

Weltraumforschung hat keine Grenzen

Der Schweizer Claude Nicollier flog viermal mit einem Space-Shuttle.

Gestern weckte er  Verständnis für die Weltraumfahrt.

 

Text   wolfgang Schreiber und Ernst Leu

Foto  Ernst Leu

 

Statt «Houston, wir haben ein Problem» hätte der Schweizer Astronaut Claude Nicollier gestern Abend im Park Casino auch sagen können: «Schaffhausen, ich habe ein Problem.» Der studierte Astrophysiker, der in den vergangenen zwölf Jahren viermal im All war, zeigte sich vor dem Start seines Vortrages mit der Powerpoint-Präsentation nicht zufrieden. Es störte den Mann, der insgesamt mehr als 42 Tage und 12 Stunden an Bord von Raumschiffen verbracht hatte, dass seine auf eine grosse Leinwand projizierten Bilder am rechten Rand leicht angeschnitten waren. Mit einer Ruhe und Beharrlichkeit, wie sie wohl Astronauten bei Problemlösungen aufbringen müssen, konnte er schliesslich nach kurzer Zeit auf seinem Laptop die Bilder Einmitten. Das war gut so, Nicolliers Vortrag entpuppte sich als eigentlicher Diavortrag.

Eingeladen hatte die Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen. Deren Präsident Kurt Seiler bekannte vor dicht besetzten Reihen, dass die Gesellschaft in den letzten drei Jahren die Astronomie etwas vernachlässigt hat. Dieses Manko wollte Seiler ausbügeln, indem er den Mann zum Vortrag einlud, der als einziger Schweizer im All war und deswegen beim damaligen Bundespräsidenten Ogi erstmals die Worte «Freude herrscht» ausgelöst hatte. Nicollier hielt keinen trockenen, wissenschaftlichen Vortrag über Astrophysik. Er machte vielmehr das, wovon es im Sprichwort heisst: «Willst du mit jemandem ein Schiff bauen, wecke in ihm die Sehnsucht nach dem Meer.» Nicollier weckte die Sehnsucht nach dem grossen Abenteuer der Weltraumfahrt. Er sprach, natürlich, darüber, warum die bemannte Weltraumfahrt sinnvoll ist, verheimlichte nicht, dass sie sowohl teuer als auch gefährlich ist. Er nannte sie einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des menschlichen Lebens auf der Erde und wagte die Prophezeiung, dass in ferner Zukunft die Menschen den Weltraum besiedeln werden.
Dann erzählte er von seinen Flügen. Er bekannte, dass er als Astronaut in der Startphase des Space-Shuttles Angst bekam, ob all des Lärms und des Rüttelns und Schwankens: «Wie in einem Flugzeug, wenn die Stewardess keinen Kaffee mehr bringt und sich selbst auf einem Sitz anschnallt ...» Er schilderte die grosse Stille, wenn sich der Space-Shuttle in der Umlaufbahn befindet, und dass die Besatzung viel arbeiten muss und kaum Pausen machen kann.
Das Publikum folgte wie gebannt seinen Ausführungen und seinen Bildern, bis er nach einer Stunde und 30 Minuten seinen Vortrag mit dem Hinweis «No limits - Keine Grenzen» für die Weltraumforschung endete.

 

Intakte Chancen für Schweizer, bei der Esa zu arbeiten

Claude Nicollier, geboren 1944 in Vevey, kam 1976 als Wissenschafter zur Europäischen Weltraumagentur (Esa) und über die Esa zur amerikanischen Nasa. Dort wurde er zum Astronauten ausgebildet. Nach vier Raumfahrtmissionen (1992: STS-46, 1993: STS-61, 1996: STS-75 und 1999: STS-103) kann Claude Nicollier auf über 1000 Stunden im Weltraum zurückblicken, darunter ein Weltraumspaziergang von 8 Stunden und 10 Minuten.

Nach seinem Erfolgsrezept gefragt, antwortete er: zuerst klare Ziele setzen. Die Ziele nach Prioritäten ordnen. Teamarbeit leisten. Bei der Erledigung der Aufgaben und Arbeiten strikte Disziplin einhalten. Das Unvorhersehbare vorsehen. Trainieren und nochmals trainieren. Junge Schweizerinnen und Schweizer, so sagt er, haben intakte Chancen, bei der Esa zu arbeiten. Zurzeit arbeiten dort 30 Schweizer.

 

 

Das Park Casino bot eine gute Kulisse für den Vortrag. Kurt Seiler stellte Astronaut C.Nicollier kurz vor und übergab bald das Mikrofon an den Referenten weiter.  Die Zuhörer von Nah und Fern lauschten gespannt dem Vortrag mit den verschiedenen Fassetten.

Ob über die Raumfahrt  von Russland Soujus-Raketen oder über die Internationale Raumstation ISS referiert wurde,  Herr C. Nicollier hatte immer einen Spass auf Lager, aber er verlor nie das wesentliche:

Lebe Deinen Traum.

 

 

 

In seinem Leben hatte er schon so vieles Erlebt und Vollbracht wie zum Beispiel: Mit seiner Tochter das Matterhorn zusammen bestiegen. 4 Missionen  mit den 4 vers. Space Shuttle jeweils erfolgreich hinter sich gebracht und erst noch 2 mal dabei das Space Hubble „Besucht“.  Seine zweite Mission zum Hubble war für ihn wie ein Besuch zu einem sehr alten und guten Freund. Das kann man sicher verstehen, da er ja Astrophysiker studiert hatte. Mit STS-103 Mission war Herr C. Nicollier bereits ein „Alter“ erfahrenen Astronaut. (Jg. 1944).

 

 

Seine Leidenschaft brach erst richtig durch als Claude Nicollier über seine 2 Missionen von Hubble berichtete.

Bei der ersten Mission steuerte Er den „verlängerten Arm“ und half seinen Kollegen die Aufgabe präzise und schnell durchzuführen.  1999, 3te Mission zum Hubble war seine Aufgabe im Orbit. Bei der Reparaturdauer von

8 Stunden  + 10Minuten erlebt C.Nicollier insgesamt 5x den Übergang von Tag zu Nacht. Dies geschieht jeweils in 20 Sekunden! Weitere Info zu Hubble siehe Webseite: http://lexikon.astronomie.info/satelliten/sts103/index.html

Natürlich hatte Er auch Zeit für Spässe unter Kollegen und sein Auge schweifte gerne aus dem „Fenster“ und sah die ganze Natur von oben. Gebirge um Mt. Everest. Leider war die Zeit jeweils viel zu kurz, dafür umso intensiver.

 

Ob seine funkelten Augen kurze Blicke über die Karibik,  oder einem Sonnenaufgang zuschauten, eines war er sich immer bewusst:  Solch schöne Bilder, Erlebnisse sind ein Teil des Erfolges von jedem einzelnen Menschen / Mitarbeiter. Ein Ergebnis besteht aus vielen einzelnen Fassetten.  Und über Hubble gibt es bereits neue Vorstösse doch noch eine neue Reparatur Mission zu starten. Dies bekundete der neue Direktor Michael Griffin von der NASA beim Rapport über das neue Zeitfenster (14-31.Juni 2005.) vom nächsten Start von Discovery.

Die Zukunft liegt in den Sternen. Aber man muss eher sagen: Mann sieht die wundervolle Vergangenheit.

 

 

Die bevorstehende Mission STS-114 mit einer Frau als Commander: Eileen Collins, übrigens war Sie der erste Commander eine Space Shuttle Mission (STS-63 im Jahre 1995). Weiter Missionen STS-84 und 93.

Und jetzt diese bevorstehende Aufgabe (erster Shuttle Start nach dem Unglück  der Mission STS-107) zeigt,

dass auch Frauen solche Aufgaben übernehmen und ausführen können. Da die Zukunft ja Allen gehört.

Das Risiko/Unfall steht 1:56. Da ja bei den 112 Starts von Shuttle leider 2 Missionen fehlschlugen. Das zeigt uns doch, dass noch nicht alles vollkommen ist und wir Menschen uns noch mehr einsetzen müssen für die Zukunft.

So wurde diese neue Mission auch wieder verschoben auf das neue Zeitfenster ab 13.07.2005 um doch den Risikofaktor so gering wie nur möglich zu halten. Wir wünschen der gesamten Mission einen positiven Erfolg

und Habby Landing.

Die Zukunft wird uns Menschen in das Universum bringen. Natürlich nicht nach unserer Zeitrechnung von den letzten 50Jahren her gesehen sondern es liegt eher an uns selber.

 Wenn wir Menschen etwas wollen, so können wir es auch erreichen.          

 

 

An dieser Stelle möchte ich wieder einmal mehr Herr Claude Nicollier ganz Herzlich Danken für seinen positiven Einsatz  und natürlich für den sehr eindrucksvollen Vortrag. Ein jede Botschaft / Vortrag von Ihm persönlich bringt uns Zuschauern das Universum immer näher und so kann man erst richtig begreifen, das der blaue Planet wirklich etwas besonderes ist in der unweiten Welt der Galaxien. So bringen wir hoffentlich diese Verständnis auch unseren Mitmenschen wo leider nicht anwesend waren rüber und erfreuen uns umso mehr an dem kleinen Irdischen Glück, aber doch mit einem Auge zu den Sternen wo unsere Vergangenheit oder die Zukunft liegt.

 

Euer Schreiberling Ernst Leu

Spez. Dank an Herr wolfgang Schreiber 

                           

Nachtrag:

 

Natürlich wurde sehr vieles noch mehr kundgetan von Herr C. Nicollier.

 

Wie zum Beispiel der „Kommfort und anderen Begebenheiten“ im Verhältnis von einem Amerikanische Shuttle zur einer Russischen Sojus Rakete. Das beginnt schon im Platz- Verhältnis von Menschen und Transportgut, sowie Landung und Empfang der Crew. Gegensätze ziehen sich an. Ein jedes hat sein gutes!

Oder wie die Distanzen hinaus ins Orbit sind von uns aus gesehen sind:  Shuttle Missionen, Hubble, Satelliten, Planeten, Galaxien und so weiter.

Natürlich über die laufenden Missionen im Orbit und den Weg zum Mars.

Aber nicht zu vergessen all die persönlichen noch so kleinen Anekdoten von seinen

4 Missionen und der Zusammenarbeit all seinen Mitmenschen wo dies ermöglichten.

 

Wenn ich Sie ein bisschen „gluschtig“ gemacht habe, so kommen Sie doch einmal selber zu einem seiner Vorträge. Sie werden sehen, staunen, erleben wie am Ende die Zeit doch im „Fluge“ so schnell vorbei ist und Sie doch in Gedanken bei einem seiner „Abenteuer“ im Weltraum dabei waren. Er selber sagt ja von sich: Ich bin auch ein Mensch der ab und zu gerne träumt.

 

Vorschau von diversen Veranstaltungen dieses Jahr in Sachen Raumfahrt:

 

Ab Fr.13.Mai bis 24.Juni 2005 in der Volkshochschule des Kantons Zürichs:

Ringvorlesung: Reisen ins All  Raumfahrt   http://www.vhszh.ch

 

oder die Ausstellung Space Forum 2005 im Air Force Center Dübendorf

ab 1.September 2005 für ca. 6 Wochen mit spez. Vorträgen. Siehe unter:

http://www.srv-ch.org

 

  Space Forum 2005

Samstag, 1. Oktober 2005, 10.00 - 21.00 Uhr im Air Force Center Dübendorf
Öffentliche Tagesveranstaltung
Ausstellung von September bis Oktober 2005:

"Die verschiedenen Facetten der Raumfahrt von Alpha bis Zeta"
Mit Führungen und folgenden Kurzreferaten:

Alpha = Albert Einstein und die Raumfahrt - 100 Jahre Relativitätstheorie.

Wie werde ich Astronaut/in? Unser Schweizer Astronaut Claude Nicollier informiert persönlich über den Weg zur Astronautin oder zum Astronauten.