DER MARS IM VISIER DER

EUROPÄISCHEN RAUMFORSCHUNG

 

Beeindruckende Bilder vom Roten Planeten

 

Der Mars Express ist eine europäische Erfolgsstory: Bereits vier Monate nach dem Erreichen des Roten Planeten konnte eine überaus positive Bilanz gezogen werden. Insbesondere die Aufnahmen der deutschen Stereokamera (HRSC) - High Resolution Stereo Camera - und der daraus zu erstellenden Karten sind die Voraussetzung für zukünftige Landungen auf dem Roten Planeten.

 

Fred Richter

 

 

Die planmässige Änderung der zunächst äquatorialen Umlaufbahn in einen elliptischen Orbit meisterte die europäische Weltraumagentur ESA mit ihrem Bodenkontrollsystem ESOC in Darmstadt bravourös. Auch die ersten Experimente verliefen zur vollen Zufriedenheit der beteiligten Wissenschaftler. Sie lieferten von Anfang an bereits erste Daten mit bedeutsamen Forschungsergebnissen. Eines von sieben Instrumenten an Bord ist die hoch auflösende Stereokamera: das L9,6 kg schwere Instrument wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und gemeinsam mit Industriepartnern wie EADS Astrium, Levicki Electronlcs und. Jena Optik gebaut. Die Gesamtleitung der HRSC-Experimente auf dem Mars Express hat der Principal Investigator Professor Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin. Während der zunächst auf zwei Erdenjahre (das entspricht einem Mars Jahr} ausgelegten, vermutlich aber um zwei weitere Jahre verlängerbaren Mission wird die Kamera vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben und geleitet. Dort findet auch die Aufbereitung der Rohdaten zu wissenschaftlich verwertbaren Bilderzeugnissen statt.

 

Von ihrem ersten Einsatz am 9.Januar 2004 bis kurz vor Ende der so genannten "Comissioning Phase" Ende April fotografierte die HRSC bereits über sieben Millionen Quadratkilometer unseres Nachbarplaneten in einer Auflösung von zehn bis zwanzig Meter pro Bildpunkt (Pixel) und dies in Farbe und, drei Dimensionen. Das entspricht zwei Dritteln der kontinentalen Oberfläche Europas. Die komplette Kartierung des Mars von grosser Schärfe und in "3D" stellt die Hauptaufgabe in den von einem 50-köpfigen Wissenschaftsteam aus elf Ländern formulierten Zielen für dieses in der Planetenforschung bislang einmaligen Kamera Experiments dar.

 

Die Instrumente an Bord von Mars Express gleichen teilweise denen, die bei der gescheiterten russischen Marsmission "Mars 96" zum Einsatz kommen sollten.

Grosse Fortschritte erhofft sich die ESA, die die Mission betreibt, auch von anderen Instrumenten. Hier sorgte das Spektrometer OMEGA (Observatoire pour Mineralogie, l'Eau , 1a Glace et l' Activité) für die erste grosse Überraschung. OMEGA ist das erste Instrument in der Geschichte der Marsforschung, das direkt und mit Sicherheit die Existenz und eine flächenhafte Verbreitung von Wasser in gefrorener Form auf der Oberfläche des Planeten nachweisen konnte. Gestützt wurde diese Entdeckung durch die Auswertung der Beobachtungen zweier weiterer Spektrometer, nämlich des italienischen PFS (Planetary Fourier Spektrometer), eines neuartigen hoch auflösenden Instruments von bisher nicht erreichter Genauigkeit, sowie des französischen SPICAM (Spectrocopy for the Investigation of the Characteristics of the Atmosphere of Mars), eines sehr leichten Ultraviolett-Infrarot-Messgeräts, dessen Hauptaugenmerk auf der Erforschung der Atmosphäre und Ionosphäre liegt. In den gemessenen Spektren von PFS und SPICAM konnten Wassersognahtoren (Eis und Wasser) identifiziert werden. Um möglichst viele Fragen beantworten zu können, so11 die HRSC-Kamera die Hälfte des Mars in einer Auflösung von zehn bis zwanzig Metern pro Bildpunkt kartieren. Mit dem der Kamera angebauten Super Resolution Channel (SRC) könnten zwei bis drei Prozent der Oberfläche - das entspräche einer Fläche grösser als die der Europäischen Union - in einer Genauigkeit von zwei bis fünf Metern Auflösung hinzukommen.

 

Sollte die Mission volle vier Jahre andauern, würde der gesamte Mars in einer Auflösung von 10 bis 20 Metern/Pixel in Stereo und Farbe kartiert sein. Am Ende der Mission könnte unser Nachbarplanet, dessen Fläche von 145 Millionen Quadratkilometern fast allen irdischen Kontinenten entspricht, topografisch besser kartiert sein als unsere Erde.

 

Die High Resolution Stereo Camera:

Aus einer mit unglaublicher zeitlicher Präzision aufgenommenen 10 m breiten und 56 km langen Bildzeile entsteht während des Mars-Überflugs u.a. ein dreidimensionales farbiges Bild des grossen Canyon-Systems.

 

Die High Resolution Stereo Camera : hoch auflösend und digital.

Diese Kamera verfügt zudem über eine "Lupe", ein Teleskop von 975 Millimeter Brennweite. Dieser Super Resolution Channel kann superscharfe ”Briefmarkenbilder" aufnehmen.

 

 


ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Das erste Marsbild des erfolgreichen europäischen Orbiters Mars Express zeigt den Roten Planeten gestochen scharf mit Details der Marsoberfläche in einer Auflösung von 12,5 Meter pro Bildpunkt. Das Aufnahmeobjekt liegt in einer geologisch interessanten Mars-Region: Man erkennt einen Ausschnitt am Ostrand der Valles Marineris, des grössten Canyons im Sonnensystem, der rund 4.000 Kilometer lang und bis zu zehn Kilometer tief ist. Inselberge, Hangrutsche an steilen Flanken, geschichtete Lava und unmittelbar abbrechende Tafelberge sind auf dem Bild gut zu erkennen. Perspektische Ansicht. (MEX-H04-003)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese perspektivische Ansicht zeigt den eindrucksvollen Vulkankrater, die so genannte Caldera, des Olympus Mons auf Mars. Die Ansicht wurde aus dem digitalen Höhenmodell, abgeleitet aus den Stereokanälen, sowie dem Nadirkanal (senkrechte Blickrichtung) und den Farbkanälen der HRSC generiert. Die Aufnahme wurde am 21. Januar 2004 (Orbit 37) in einer Höhe von 273 Kilometer gemacht. Die Bildbreite beträgt 102 Kilometer bei einer Auflösung von 12 Meter pro Bildpunkt und liegt im Bildzentrum bei 18.3 Grad Nord und 227 Grad Ost. Die vertikale Überhöhung des Bildes beträgt 1,8. Süden ist oben.

Unten rechts ist eine Aufnahme der SRC (Super Resolution Channel) eingesetzt, die eine Auflösung von 3,3 m pro Bildpunkt hat.

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese perspektivische Ansicht zeigt den eindrucksvollen Vulkankrater, die so genannte Caldera, des Olympus Mons auf Mars. Die Ansicht wurde aus dem digitalen Höhenmodell, abgeleitet aus den Stereokanälen, sowie dem Nadirkanal (senkrechte Blickrich­tung) und den Farbkanälen der HRSC generiert. Die Aufnahme wurde am 21. Januar 2004 (Orbit 37) in einer Höhe von 273 Kilometer gemacht. Die Bildbreite beträgt 102 Kilometer bei einer Auflösung von 12 Meter pro Bildpunkt und liegt im Bildzentrum bei 18.3 Grad Nord und 227 Grad Ost. Die vertikale Überhöhung des Bildes beträgt 1,8. Süden ist oben. (MEX-H04-019)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Dieses Bild wurde von der HRSC-Kamera in Farbe und 3D während des 18. Marsorbits am 14. Januar 2004 aufgenommen. Es zeigt einen Tafelberg in einer perspektivischen Ansicht in den so genannten "chaotischen Terrains" am Ostrand der Valles Marineris, des größten Canyons im Sonnensystem. Vor langer Zeit kollabierte das gesamte Gebiet, als vermutlich riesige Wassermengen im Boden mobilisiert wurden und in Richtung der nördlichen Tiefebenen auf dem Mars katastrophenartig abflössen. Der große Krater im Hintergrund hat einen Durchmesser von 7,6 Kilometer und eine Tiefe von 800 Meter, (MEX-H04-006)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 


ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese Aufnahme des Südpols zeigt einen Teil der Eiskappe, die nach Beobachtungen des Spektrometers OMEGA an Bord von Mars Express sowohl aus Kohlendioxideis als auch aus Wassereis besteht. Der Südpol ist von Hunderten Quadratkilometer "Permafrost" umgeben. Permafrost ist Wassereis durchmischt mit dem Marsboden und aufgrund der geringen Mars-Temperaturen zu der Härte von Gestein gefroren. Nach neuesten Er­kenntnissen lässt sich die Südpolregion in drei Gebiete aufteilen: die helle Eiskappe selbst, die aus einer Mischung von 85% hoch reflektierenden Kohlendioxid-Eis und 15% Wassereis besteht. Den zweiten, etwas weiter vom Pol entfernten Teil stellen die steilen Abhänge dar, die vorwiegend aus Wassereis bestehen. Schließlich bilden die jetzt ent­deckten Permafrostgebiete die dritte Zone dar. (MEX-H04-024)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 


ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Dieses Bild der HRSC zeigt eine riesige Abbruchkante an der Westseite des Vulkans Olympus Mons. Die Steilhänge brechen über 7 km tief von der westlichen Vulkanflanke in das angrenzende Tiefland ab. Diese Aufnahme wurde im Orbit 143 aus einer Höhe von 266 km und mit einer Auflösung von 25 m pro Bildpunkt gewonnen. Es gehört zu den ersten Hochauflösenden dreidimensionalen Aufnahmen dieser gewaltigen Geländekante. Norden ist im Bild rechts. Der Bildausschnitt ist etwa 133 km mal 95 km groß mit Bildmitte bei 222° 0 und 22° N. Gut zu er­kennen ist, wie von den steilen Hängen Nachgerutschtes Material ins Vorland verfrachtet wurde. Olympus Mons erhebt sich 24 km über die umgebende Tiefebene und ist damit der größte Vulkan im Sonnen­system. An seiner Basis hat er einen Durchmesser von knapp 600 km. Die Abhänge des Schildvulkans haben dabei eine moderate Neigung von durchschnittlich 4 Grad. Im Nordwesten und Südosten brechen diese flachen Hänge dann auf einmal jäh ab. Diese gewaltige Geländekante ist vermutlich kein unmittelbares Ergebnis vulkanischer Ak­tivität. Vielmehr scheint hier der Vulkan instabil gewesen zu sein. Entlang einer tektonischen Schwächezone brach dann vor Millionen von Jahren ein beträchtlicher Teil des Vulkans weg. So sind an den Flanken die Spuren von Abrutschungen von Material zu sehen, das ins Vorland hinabstürzte und dort von der Verwitterung aufgearbeitet wurde. (MEX-H04-036)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Dieses (Anaglyphen-)Bild wurde aus dem Nadir-Kanal (senkrechte Blickrichtung) und einem Stereokanal der HRSC berechnet. Die Aufnahme wurde in Orbit 18 am 14. Januar 2004 aus einer Höhe von 275 Kilometer gemacht. Sie zeigt den Mars nördlich des Valles Marineris zwischen 5 Grad und 10 Grad nördlicher Breite und 323 Grad östlicher Länge. Die Höhe des Bildausschnitts beträgt 50 Kilometer, das Bild wurde mit einer Auflösung von 12 Meter pro Pixel aufgenommen. Man sieht Tafelberge und Steilkanten, die auf Erosion durch fließendes Wasser hindeuten. Das Gebiet ist in vertikaler Sicht abgebildet, Norden ist rechts. (MEX-H04-013)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Das Anaglyphenbild des Mars-Vulkans Hecates Tholus wurde aus dem Nadirkanal (senk­rechte Blickrichtung) und einem Stereokanal der Hochauflösenden Stereokamera HRSC an Bord von Mars Express prozessiert. Die Aufnahme entstand aus einer Höhe von 275 Kilometer und hat eine Auflösung von 12,5 Meter pro Bildpunkt. Hecates Tholus ist der nördlichste Vulkan der Elysiumgruppe auf dem Mars und liegt geographisch bei 150 Grad Ost und 31,7 Grad Nord. Der kesselartige Krater, die so genannte Caldera, ist asym­metrisch und zeigt mehrere Einstürze durch die Entleerung der darunterliegenden Magmakammer. Auf den Flanken des Vulkans sind mehrere radial verlaufende Talsysteme, die auf die frühere Existenz von Wasser hindeuten, und Einsturzformen, die auf Lava hindeuten, zu erkennen. Der Vulkan hat eine Höhe von 5300 Meter, die Caldera besitzt einen Durchmesser von maximal 10 Kilometer und eine Tiefe von etwa 600 Me­ter. Aufgrund der besseren Wirkung des 3D-Effekts ist Norden in diesem Bild rechts. (MEX-H04-021)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese Aufnahme aus dem Orbit 37 zeigt einen Teil der Acheron Fossae, einem von tiefen Gräben durchzo­genem Gebiet am Nordrand des Tharsis-Plateaus etwa 1000 km nördlich des Olympus Mons. Dieses meh­rere Kilometer hohe, wie eine umgekehrt liegende Mondsichel geformte Gebirgsmassiv bildet die nördliche Grenze des Marshochlandes und ist Bestandteil eines sternförmig orientierten Netzes von Dehnungsstruk­turen, deren Mittelpunkt sich im Zentrum der Tharsis-Aufwölbung befindet.

Auf diesem Anaglyph ist eine stark zergliederte "Berg-und-Tal"-Landschaft zu erkennen. Das rechts der Bild­mitte verlaufende Tal ist etwa 15 km breit und 1.700 m tief. Der flache Talgrund ist von einem auffällig glat­ten Material bedeckt, das zudem an einigen Stellen deutlich dunkler als die Umgebung erscheint. Geschwungene Formen bzw. Fließstrukturen sind ein Hinweis darauf, dass sich eine zähflüssige Masse von den Hängen herab in die Täler bewegt hat.

Diese Aufnahme wurde aus einer Höhe von 765 km gewonnen und hat eine Auflösung von 30 m pro Bildpunkt (hier reduziert dargestellt). Zur besseren Darstellung des Stereoeffekts wurde diese um 90° gedreht, Norden ist hier deshalb rechts im Bild. (MEX-H04-040)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese senkrechte Draufsicht auf die Marsoberfläche wurde während des 68. Orbits aus einer Höhe von 271 km von der Hochauflösenden Stereokamera (HRSC) aufgenommen. Norden ist oben. Die Bildauflösung des Nadir-Kanals beträgt etwa 16,8 m pro Bildpunkt. Zur Erzeugung des Farbbildes wurden außerdem drei Farbkanäle verwendet.

Die Bildmitte liegt bei 7,9° N und 255,5° 0 und zeigt einen Teil der Südflanke von Ascraeus Mons, dem nördlichsten der drei großen Vulkane des Tharsis-Komplexes. Die eigenartigen, auffallenden Vertiefungen, die hier und an einigen anderen Mars-Vulkanen beobachtet werden können, sind Lava-"Röhren". Solche Röhren entstehen über einem Kanal, der von heißer, glutflüssiger Lava gebildet wird, von oben her erkaltet und eine abdeckende Kruste aus erstarrtem vulkanischem Gestein bekommt. Wenn die Förderung der Lava zu Ende geht, leert sich diese Tunnelröhre, und das Dach der Röhre stürzt ganz oder nur teilweise ein: Auf diese Weise entstehen auch die wie an einer Perlenschnur aneinander gereihten Ketten von grubenartigen Einsturzkesseln. Lavakanäle und "Grubenketten" eingestürzter Lavatunnel sind auf der Marsoberfläche nicht selten, auch von Vulkanen auf der Erde kennt man dieses geologische Phänomen. (MEX-H04-0025)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

 


ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese dreidimensionale senkrechte Draufsicht auf die Marsoberfläche wurde während des 68. Orbits aus einer Höhe von 271 km von der Hochauflösenden Stereokamera (HRSC) aufgenommen. Die Bildauflösung des Nadir-Kanals be­trägt etwa 16,8 m pro Bildpunkt. Durch die Hinzunahme der beiden Stereokanäle konnte diese durch eine Rot-Grün-Brille sichtbare 3D-Ansicht erzeugt werden. Aufgrund der besseren Wirkung des 3D-Effekts ist das Anaglyphenbild um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Norden ist in diesem Bild somit rechts. Zur Erzeugung des Farbbildes wurden außerdem drei Farbkanäle verwendet. Die Bildmitte liegt bei 7,9° N und 255,5° O und zeigt einen Teil der Südflanke von Ascraeus Mons, dem nördlichsten der drei großen Vulkane des Tharsis-Komplexes. Die eigenartigen, auffallenden Vertiefungen, die hier und an einigen anderen Mars-Vulkanen beobachtet werden können, sind Lava-"Röhren". Solche Röhren entstehen über einem Kanal, der von heißer, glutflüssiger Lava gebildet wird, von oben her erkaltet und eine abdeckende Kruste aus erstarrtem vulkanischem Gestein bekommt. Wenn die Förderung der Lava zu Ende geht, leert sich diese Tunnelröhre, und das Dach der Röhre stürzt ganz oder nur teilweise ein: Auf diese Weise entstehen auch die wie an einer Perlenschnur aneinander gereihten Ketten von grubenartigen Einsturzkesseln. Lavakanäle und "Grubenketten" eingestürzter Lavatunnel sind auf der Marsoberfläche nicht selten, auch von Vulkanen auf der Erde kennt man dieses geologische Phänomen. (MEX-H04-0027)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.


ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Dieses Bild wurde von der HRSC-Kamera in Farbe und 3D während des 18. Marsorbits am 14. Januar 2004 aufgenommen. Es zeigt einen großen Tafelberg in den so genann­ten "chaotischen Terrains" am Ostrand der Valles Marineris, des größten Canyons im Sonnensystems, aus der Vogelperspektive und in Echtfarben. Das Gipfelplateau des Tafelbergs steht etwa drei Kilometer über der umgebenden Tiefebene. Die ursprüngliche Oberfläche der Landschaft wurde durch Erosion zerschnitten, nur einige isoliert dastehende Tafelberge sind bis heute von diesem Prozess Übrig geblieben. (MEX-H04-007)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Dieses Bild der HRSC zeigt eine riesige Abbruchkante an der Westseite des Vulkans Olympus Mons in 3D. Die Steilhänge brechen über 7 km tief von der westlichen Vulkanflanke in das angrenzende Tiefland ab. Diese Aufnahme wurde im Orbit 143 aus einer Höhe von 266 km und mit einer Auflösung von 25 m pro Bildpunkt gewon­nen. Es gehört zu den ersten Hochauflösenden dreidimensionalen Aufnahmen dieser gewaltigen Geländekante. Norden ist im Bild rechts. Der Bildausschnitt ist etwa 133 mal 95 km groß mit einer Bildmitte bei 222° 0 und 22° N. Gut zu erkennen ist, wie von den steilen Hängen Nachgerutschtes Material ins Vorland verfrachtet wurde. Olympus Mons erhebt sich 24 km über die umgebende Tiefebene und ist damit der größte Vulkan im Sonnen­system. An seiner Basis hat er einen Durchmesser von knapp 600 km. Die Abhänge des Schildvulkans haben dabei eine moderate Neigung von durchschnittlich 4 Grad. Im Nordwesten und Südosten brechen diese flachen Hänge dann auf einmal jäh ab. Diese gewaltige Geländekante ist vermutlich kein unmittelbares Ergebnis vulkanischer Ak­tivität. Vielmehr scheint hier der Vulkan instabil gewesen zu sein. Entlang einer tektonischen Schwächezone brach dann vor Millionen von Jahren ein beträchtlicher Teil des Vulkans weg. So sind an den Flanken die Spuren von Abrutschungen von Material zu sehen, das ins Vorland hinabstürzte und dort von der Verwitterung aufgearbeitet wurde. (MEX-H04-037)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese Aufnahme aus dem Orbit 143 zeigt einen Teil der Acheron Fossae, einem von tiefen Gräben durchzogenem Gebiet am Nordrand des Tharsis-Plateaus etwa 1000 km nördlich des Olympus Mons. Dieses mehrere Kilometer hohe, wie eine umgekehrt liegende Mondsichel geformte Gebirgsmassiv bildet die nördliche Grenze des Marshochlandes und ist Bestandteil eines sternförmig orientierten Netzes von Dehnungsstrukturen, deren Mittelpunkt sich im Zentrum der Tharsis-Aufwölbung befin­det.

Ein großer Einschlagskrater dominiert auf dieser Anaglyphendarstellung. Hier hat der Prozess der Riftbildung den Milliarden Jahre alten Krater regelrecht zerteilt, so dass sich drei deutlich zu erkennende parallel verlaufende Horst-und-Graben-Einheiten bildeten. Intensive Erosionsprozesse verschütteten die Gräben im Inneren des Kraters später wieder.

Diese Aufnahme wurde aus einer Höhe von 1.240 km gewonnen und hat eine Auflösung von 50 m pro Bildpunkt (hier reduziert dargestellt). Zur besseren Darstellung des Stereoeffekts wurde diese um 90° gedreht, Norden ist hier deshalb rechts im Bild. (MEX-H04-044)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Dieses Bild wurde von der deutschen Stereokamera HRSC in Farbe und 3Dam 19. Januar 2004 aufgenommen. Es zeigt eine perspektivische Sicht der Kraterspitze des Vulkans Al-bor Tholus in der Elysium Region. Der kesselartige Vulkankrater, die so genannte Kaldera, hat einen Durchmesser von 30 Kilometer und eine Tiefe von drei Kilometer. Der Vulkan hat insgesamt einen Durchmesser von 160 Kilometer und eine Höhe von 4,5 Kilometer. Dies ist geologisch sehr interessant, da die Tiefe des Vulkankraters an die Höhe des Vulkans heranreicht, was auf der Erde ungewöhnlich ist. Links außen scheint ein "Staubfall" vom umgebenden Plateau in den Krater zu fließen. (MEX-H04-011)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese Aufnahme wurde von der HRSC am 15. Januar 2004 in Farbe und 3D während des 18. Orbits von Mars Express aus einer Höhe von 273 Kilometer aufgenommen. Das foto­grafierte Gebiet befindet sich östlich des Hellas-Beckens, dem größten Einschlagskrater auf dem Mars, bei 41 Grad südlicher Breite und 101 Grad östlicher Länge. Die Ost-West-Ausdehnung des Gebiets beträgt etwa 100 Kilometer und hat eine Bildauflösung von 12 Metern pro Bildpunkt. Sie zeigt ein Talsystem, das einst von fließenden Wassermas­sen geformt wurde. Im angrenzenden Hochland können geschichtete Gesteinsforma­tionen erkannt werden. Das Bild zeigt die Landschaft in perspektivischer Sicht, Norden ist oben. (MEX-H04-009)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Dieses Anaglyph zeigt einen Teil der Südflanke des Vulkans Arsia Mons mit einer komplexen Zone mit zahlreichen Einsturzstrukturen, die sich vom Gipfel des Schildes insgesamt sieben Kilometer tief bis an den Sockel des Berges erstreckt. Die größten Einsturzkessel sind dabei bis zu 2000 Meter tief. An einigen Stellen sind Hangrutschungen zu erkennen. Hier waren offenbar die Wände der Kessel zu hoch und zu steil, um über lange Zeiträume stabil zu bleiben. Die Senken sind vermutlich durch den Austritt von Lava entstanden. Die Senken sind entlang einer Schwächezone in der Kruste aufgereiht, die den Vulkan von Südwesten nach Nordosten durchschneidet. Dabei ist die Riftzone von Arsia Mons Teil einer sehr viel größeren Zone, entlang der derer die drei riesigen Schildvulkane aufgereiht sind (von Süden nach Norden Arsia, Pavonis und Ascraeus Montes).

Diese Aufnahme wurde am 2. April 2004 während des Orbits 263 aus einer Höhe von 400 km gewonnen. Die Auflösung beträgt 20 m pro Bildpunkt (hier reduziert dargestellt). Zur besseren Darstel­lung des Stereoeffekts wurde diese um 90° gedreht, Norden ist hier deshalb rechts im Bild. (MEX-H04-047)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

 

ESA-Mission Mars Express - High Resolution Stereo Camera HRSC

Diese Aufnahme aus dem Orbit 37 zeigt einen Teil der Acheron Fossae, einem von tiefen Gräben durchzogenem Gebiet am Nordrand des Tharsis-Plateaus etwa 1000 km nördlich des Olympus Mons. Dieses mehrere Kilometer hohe, wie eine umgekehrt liegende Mondsichel geformte Gebirgsmassiv bildet die nördliche Grenze des Marshochlandes und ist Bestandteil eines sternförmig orientierten Netzes von Dehnungsstrukturen, deren Mittelpunkt sich im Zentrum der Tharsis-Aufwölbung befindet.

In dieser perspektivische Ansicht ist eine stark zergliederte " Berg-und-Tal "-Landschaft erkennbar. Das rechts im Bild verlaufende Tal ist etwa 15 km breit und 1.700 m tief. Der flache Talgrund ist von einem auffällig glatten Material bedeckt, das zudem an einigen Stellen deutlich dunkler als die Umgebung erscheint. Geschwungene Formen bzw. Fließstrukturen sind ein Hinweis darauf, dass sich eine zäh­flüssige Masse von den Hängen herab in die Täler bewegt hat.

Diese Aufnahme wurde aus einer Höhe von 765 km gewonnen und hat eine Auflösung von 30 m pro Bildpunkt (hier reduziert dargestellt). Norden ist im Bild oben. (MEX-H04-042)

Bild: © ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.